Fresh in Flensburg #7: Kultur & Natur

Am Donnerstag startete nach zweijähriger Corona-Pause die diesjährige Rum-Regatta. Da ich bis Donnerstagvormittag auch keine Ahnung hatte, dass es das gibt und was es eigentlich ist, möchte ich Wikipedia zitieren:

Die Rum-Regatta […] ist das größte Gaffelsegler-Treffen Nordeuropas. Seit 1980 treffen sich jedes Jahr immer am Wochenende nach Christi Himmelfahrt, weit über 100 teilnehmende Schiffe auf der Flensburger Innenförde zu einer Regatta, die jedoch eher an eine “unernste Geschwaderfahrt” erinnert.

Der NDR hat einen kurzen Beitrag dazu. Das ganze Spektakel findet in Verbindung mit dem kleinen gemütlichen Hafenfest statt. Und zumindest am Donnerstag bei der Eröffnung spielte auch das Wetter mit: die Sonne strahlte, der Himmel war weit und blau, und die Snacks und das Bier wurden nicht sofort vom harten Regen aufgeweicht und verwässert. Good stuff.

Collage: Schnappschuss vom Hafenfest, daneben ein Foto vom Waldspaziergang
Zwei Highlights dieser Woche Das mit der Rum-Regatte einhergehende Hafenfest und die Entdeckung des Waldes in der Nachbarschaft

Das Wetter an der Förde oszilliert derzeit an 4 von 5 Tagen im 30-Minuten-Takt zwischen “Es ist Sommer, Homies!!" und “Odin’s Zorn”, was Planungen im Bezug auf Kleidung zu unlösbaren Logikpuzzles machen kann. Nach ein paar Tagen stellte sich Demut Verdruss ein gewisser Gleichmut ein: es ist wie es ist, ich orientiere mich an der vorausgesagten Durchschnittstemperatur für den Tag und verwerfe jegliche eventuelle Pläne für eine Langhaarfrisur.

Meine persönliche Entdeckung dieser Woche ist der Wald nördlich von der Wohnung direkt am Mürwiker Fördeufer. Er ist …friedlich, ein besseres Wort zu ihm will mir nicht einfallen. Ein alter Laubwald, trotz seiner Dichte nicht dunkel und optisch nicht erdrückend; knorrige alte Riesen mit hohen Kronen, die mich nahezu umgehend ruhig werden lassen, und eine Stille ohne Zivilisationslärm, man hört nur den Wind in den Blättern und etwas entfernt über dem Wasser. Wir sahen wilde Hasen auf einer Wiese. Ich folgte einem Pfad um eine Biegung und sah mich einem Reh gegenüber, keine 10m entfernt. Dem Ausdruck “Holy shit, ein Reh!!!" in meinem Gesicht begnete das Reh mit einem etwas zynisch wirkenden “Holy shit, ein Stadtmensch” seinerseits — nonverbal natürlich, aber ich bin sehr naturverbunden und erkenne sowas. Dann lief es davon, wiederum ohne große Aufregung, ein echter Power Move. Ich weiss, dass es das respektlos meinte, aber es war auch einfach total gangster.

Bis jetzt dachte ich immer, Dom Toretto sei mein spirit animal, aber vielleicht ist es dieses Reh. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus beiden.

Expecto petroleum!

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Dieser Post ist Teil meines “Fresh in Flensburg”-Newsletters. Ab Mitte April 2022 schreibe ich für knapp 6 Monate jede Woche eine Mail mit Eindrücken, Erlebnissen und vielleicht auch Fotos zu und aus “meiner” neuen Stadt. Ausgabe #25 wird das Staffelfinale.

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Carlo Zottmann @czottmann